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des Wirbelsäulenzentrums München

Schmerzen kann man verlernen

Paincare Schmerzforschungszentrum Wien

logo.jpgEin Schmerz wird als chronisch bezeichnet, wenn er länger als drei Monate andauert oder immer wiederkehrt. Bei einer Frau, die nach einer Wirbelsäulenoperation acht Wochen lang unter massiven Schmerzen litt, ist es gelungen, mit der richtigen Therapie den Teufelskreis zu durchbrechen. Es geht ihr wieder besser, der Schmerz ist erträglich. Doch wenn solche Schmerzen einmal chronisch sind, helfen die üblichen Medikamente und Schmerzbehandlungen oft nicht mehr. Denn wie die moderne Schmerzforschung zeigt, hinterlässt länger andauernder Schmerz im Nervensystem Spuren, die sehr schwer wieder zu löschen sind.
Bereits nach acht Stunden finden Gewebeveränderungen im Rückenmark statt. Hält der Schmerz über Wochen an, treten auch im Gehirn Umbauprozesse auf. Durch das Bombardement mit Schmerzreizen verändern sich die Nervenverschaltungen. Die Nerven werden überempfindlich. Sie erlernen den Dauerschmerz und geben Schmerzsignale weiter, auch wenn die eigentliche Quelle des Schmerzes längst beseitigt ist. Der Schmerz ist eine eigene Krankheit geworden. Er ist chronisch. Jetzt sind viel Geduld und neue Behandlungskonzepte notwendig, um das tief eingebrannte Schmerzgedächtnis wieder zu löschen.

Univ. Prof. Michael Bach, verhaltensmedizinische Schmerzambulanz, AKH Wien: "Dieses relativ starre Netzwerk des chronischen Schmerzes gilt es zu verändern. Und da kann man auch psychologische Methoden einsetzen, die genauso wie die Medikamente darauf abzielen, eine Art Umorganisation dieses Netzwerkes zu bilden und damit diesen chronischen Schmerz aufzuweichen und ein besseres Gleichgewicht zu schaffen."

Das Biopsychosoziale Konzept der Schmerzbehandlung betrachtet Körper, Seele und soziales Umfeld gemeinsam. Mit Verhaltenstherapie wird den Patienten gelehrt, mit ihren Schmerzen besser umzugehen. Zum Beispiel lernen sie bei der progressiven Muskelentspannung, den Schmerz aktiv zu beeinflussen und ihre Aufmerksamkeit weg vom Schmerz, hin positiven Erlebnissen zu lenken. Bei chronischen Schmerzen bewährt sich auch Biofeedback. Es macht körpereigene Vorgänge wie Atmung, Muskelspannung, Hauttemperatur bewusst. Die Rückmeldung von körperlichen Fehlfunktionen hilft, aktiv dagegen anzukämpfen. Nicht nur in der Psyche, auch im Körper hinterlässt ständiger Schmerz seine Spuren. Krafttests zeigen, dass Menschen mit chronischen Rückenschmerzen im Vergleich zu ihrer Altersgruppe fast immer eine stark abgeschwächte Wirbelsäulenmuskulatur haben. Eine Folge von Schonhaltung und Funktionsstörungen, die wiederum den Schmerz verstärken - ein Teufelskreis.

Ein ungewöhnliches Bild: Der Rückenpatient in der Kraftkammer. Allerdings in einer ganz speziellen, ausgestattet mit computerkontrollierten Geräten für ein individuell abgestimmtes Training. Unter Anleitung von Experten kräftigt der Patient gezielt seine Rumpf- und Halsmuskulatur. Das neue Konzept: Anstrengendes Muskeltraining, gekoppelt mit aktiver Schmerzbewältigung.

Dr. Bernhard Stengg, Paincare Schmerzforschungszentrum:
"Nach einem 3 - 6-monatigem Aufbautrainingsprogramm ist es möglich, bei über 90 % der Patienten wieder normale Muskelkraftwerte in allen Ebenen zu erzielen und bei über 80 % der Patienten entweder eine Beschwerdefreiheit oder eine Schmerzreduktion um zumindest 50 %."




Wussten Sie, dass...

  • Über 80 % der Bevölkerung in ihrem Leben mit Rückenschmerzen Konfrontiert werden.

  • Rückenschmerzbedingte Krankheitskosten sich mittlerweile auf 20 Mrd. jährlich mit steigender Tendenz belaufen.

  • Rückenschmerzen der am häufigsten genannte Grund für Krankmeldungen am Arbeitsplatz sind:
    Allein 75 Mio. Arbeitsunfähigkeitslage, 270.000 stationäre Behandlungen und 54.000 Frühberentungen lassen sich jährlich auf Rückenschmerzen zurückführen.


Ursache für Rückenschmerzen

  • Einseitige körperliche Belastung
  • Falsche Bewegungsmuster
  • Psychische Belastung, Zeitdruck, Stress
  • Angeborene organische Schäden
  • Organische Wirbelsäulenerkrankungen
  • Falsche Ernährung
  • Zwangshaltung des Rumpfes
  • Körperliche Schwerarbeit
  • Übergewicht
  • Kompensation ungünstiger Arbeitsplatzgestaltung durch
  • Fehlhaltungen
  • Persönliches Umfeld




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